Griechenland: Kein Vertrauen in die Medien

by on 11 Ιουλίου 2019

Dimitris Boutsikos studiert Journalismus aus Überzeugung. Kein einfacher Beruf in Griechenland in diesen Zeiten. Das Vertrauen der Menschen in die Medien ist an einem Tiefpunkt angelangt. «Bei vielen Zeitungen und anderen Medien ist klar erkennbar, welche Partei sie unterstützen», bemängelt der 20-Jährige aus Athen. Auch deswegen wenden sich viele Leute von den traditionellen Medien in Griechenland ab.

Für den angehenden Journalisten sind die engen Verstrickungen zwischen Politik und den Medien einer der Hauptgründe für die Medienkrise in Griechenland. Viele seiner Landsleute sehen das ähnlich. «Ich informiere mich bei Freunden und bei der Arbeit über die politischen Geschehnisse», sagt eine 56-jährige Frau aus Thessaloniki, nachdem sie wählen war. Den Medien schenke sie keinen Glauben. «Die Sender richten die Geschehnisse so aus, wie sie das gerade brauchen. Sie richten sich nach der Partei, von der sie Geld bekommen.» Ähnlich sieht das ein 33-jähriger Verkäufer. Auch er sammelt Informationen im privaten Umfeld. «Ich bilde mir meine eigene Meinung und tausche mich mit Freunden aus.»

Berichterstattung für Freunde

Stellenweise kam es in der Berichterstattung im zurückliegenden Wahlkampf zu Vorfällen, die die  Kritik vieler Griechen an ihren Medien bestätigen. Keine 24 Stunden bevor die Wahllokale öffneten, veröffentlichte Evangelos Marinakis, Industrieller und Medienmogul, einen Brief, in dem er alle Griechen aufforderte, zur Wahl zu gehen. Er rief eine «neue Epoche» aus, ohne «Lügen und gefährlichen Populismus”. Es gehe um die Verhinderung des «Ausverkaufs des Vaterlandes». Marinakis, Trauzeuge und enger Freund des neu gewählten Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis, machte dafür den noch amtierenden Regierungschef Alexis Tsipras verantwortlich – persönlich.

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